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David’s erstes Mal – Istanbul für Anfänger

Nach kurzer Istanbul-Recherche über meine bevorzugte Suchmaschine bin ich von Informationen erschlagen. Diese riesige, laute Stadt ist voller Leben und so voller Formen, Farben, Kultur und Kulturen, daß ich einfach nicht weiß wo ich mit dem Erkunden anfangen soll. Alleine von den Eckdaten wird mir schwindelig. Die türkische Metropole wächst auf 2 Kontinenten, getrennt durch den Bospurus und verbunden durch 2 riesige Brücken, mehr als 15 Millionen Menschen tummeln sich auf fast 2000 km² und sie schaut auf eine mittlerweile 2600 Jahre alte Geschichte zurück. Will man vom einen Ende der Stadt zum Anderen, kann man sich schon mal auf eine 150km lange Fahrt einstellen. Unfassbar.

Am „kleinen Flughafen“ von Istanbul (Sabiha Gökçen) angekommen, startet unser Urlaub direkt in ein kleines Fiasko. Die Durchsage am hannoveranischen Flughafen, welche uns mitteilte, daß es Probleme mit dem Gepäckbeförderungsband gäbe und sich daher die Abflüge – wie auch unserer – ein wenig verspäten würden, nahmen wir nicht ernst. In Istanbul angekommen standen wir also morgens um 4:30 müde, hungrig und vom langen Sitzen in zu engen Sitzen, generft am Gepäckband und warteten auf unsere Koffer. Vergebens. Das fängt ja gut an, dachten wir uns. Nach einigem Hin- und Her, einer kleinen Portion Panik und wenig verständnisvoll also ab nach Hause, zu den Schwiegereltern auf der asiatischen Seite Istanbuls. Das Gepäck würde einige Tage später zugestellt werden. Bei Anne und Baba angekommen, verflüchtigte sich die angestaute Anspannung und die brennenden Muskeln dank heißem Çay (türkischem, schwarzen Tee), frischem Ekmek (Weißbrot) , Kaşar (Käse) und Zeytin (Oliven) – genau so, wie ich es gerne mag.

Nachdem wir am ersten Tag erfolgreich frische Unterwäsche und ein paar T-Shirts für meinen nicht gerade kleinen Körper fanden – was nicht einfach war – gönnten wir uns in Kadıköy im “Balon Cafe” direkt am Bospurus ein paar Erfrischungen bei schöner Aussicht direkt auf die europäische Küste, bevor es zu einem besonders wichtigen Teil dieser Einkaufstour ging… Internet besorgen! Ohne Internet auf meinem Handy und ohne funktionierenden Internet-Stick für mein Laptop, bin ich nur ein halber Mensch. Glücklicherweise ist Istanbul größtenteils mit schnellem 3G Internet versorgt. Am darauf folgenden Tag ging es dann auch schon zum ersten Punkt auf der Liste. „Büyük Çamlıca“, der höchste der vielen Hügel der Großstadt erlaubt es einem, einen bescheidenen Überblick über die Ausmaße Istanbuls zu gewinnen. Gigantisch trifft es wohl am ehesten. Soweit das Auge Reicht, nur Istanbul, Meer, Bospurus und noch viel mehr Istanbul.

Einkaufen im Supermarkt

Ein bemerkenswerter Kurztrip für mich war außerdem – festhalten – der Weg auf die andere Staßenseite zum Discounter, mit dem Auftrag „frische Eier kaufen“. Meine Frau meinte noch – ich fand es lustig und angsteinflößend zugleich – ich könne im Zweifel ja Gackern wie ein Huhn, dann wisse man schon was ich haben wolle. Glücklicherweise war „Yumurta“ eines der wenigen Vokabeln die ich bereits kannte. Im Discounter angekommen und zielsicher die Packung Eier (14 an der Zahl) angesteuert, schieße ich also mit diesen Richtung Kasse und lege sie -stolz die tot bringende Straße alleine überquert und das Objekt der Begierde gefunden zu haben – vor den Verkäufer. Ich lege die 3 türkischen Lira neben die Packung und lächle den Verkäufer an. Dieser schaut mich entgeistert an und sagt irgendwas mit „Bes“…also 5… mein Puls steigt. Unfähig ihm klar zu machen, daß Schwiegermama mir aber nur 3TL mitgegeben hat drehe ich mich zur Schlange hinter mir um und verlasse kurzer Hand den Discounter. Ich bin mir sicher, ich war das Thema Nr. 1 am Schalter. Also wieder über die stark befahrene Straße Richtung zu Hause, Restgeld – dieses mal genug – geschnappt und zurück. Wieder in den Laden, wieder Richtung Kasse wo der Verkäufer schon auffällig grinsend mit einer einladenden Geste klar macht „Komm her, dieses mal schaffst Du es“. 10 TL ausgehändigt, Mission acomplished. Eier kaufen kann wirklich schwer sein.

In den folgenden Tagen ging es nun erst richtig los. Sight seeing extreme. Darauf habe ich mich schon lange gefreut. Istanbuls Straßenverkehr ist schon ein Erlebnis für sich, aber dazu später mehr. Unsere Ziele waren natürlich erst mal die typischen Touri Attraktionen, wie die Cisterna Basilica (Yerebatan Sarnıcı), die Sultan-Ahmed-Moschee (auch bekannt als „blaue Moschee“, die ich auch als Tourist zur Gebetszeit erleben durfte… wirklich einzigartig), Hagia Sophia, Hippodrom, der deutsche Brunnen (Alman Çeşmesi), die antike Bahn in der İstiklal Caddesi, der „ägyptische Basar“ (Mısır Çarşısı, bzw. Gewürzbasar), der „Grand Basar“ (Kapalı Çarşı), den Galataturm (Galata kulesi), den Leanderturm (Kız kulesi, auch bekannt als „Mädchenturm“), die Basilika St. Antonius (Sent Antuan Kilisesi) und vieles mehr. Jede Einzelne dieser Besichtigungen hätte Geschichtlich ganze Abende mit Geschichten füllen können. Auch die ständigen Überfahrten zwischen den Kontinenten sind schon ein kleines Erlebnis. Leider hat die Zeit nicht gereicht um mal eine schöne Bootstour über den Bospurus zu machen und den Topkapı-Palast konnten wir leider auch nicht mehr besichtigen, aber das holen wir beim nächsten Besuch ganz sicher nach. Knappe 2 Wochen sind eh viel zu wenig Zeit, um auch nur ansatzweise all das zu sehen und zu tun, was Istanbul einem bietet. Alleine schon der Weg zu den verschiedenen Gebäuden und Plätzen sind an und für sich schon ein Erlebnis. Egal wo man sich hin dreht, Kultur pur und wunderbare Motive.

Erwähnenswert empfinde ich außerdem den Straßenverkehr. Als Europäer, besonders als Regel-Liebender Deutscher, empfindet man die ersten Tage auf den Straßen Istanbuls als pures Chaos. Nicht nur die schieren Massen an Menschen und Autos erschlagen einen förmlich, besonders die eigenen Regeln des Verkehrs muss man mal erlebt haben. Aber hey, es funktioniert! Wer sich denkt, er fahre mal eben selber mit dem eigenen Auto durch Istanbul, dem würde ich dringend davon abraten. Dazu gehört schon Übung und eine gehörige Portion Mut. Am besten ist man in Istanbul sowieso mit den Öffis unterwegs. Parkplätze gibt es sowieso keine und wenn doch, wartet man mitunter Stunden, bis ein Platz frei wird. Als Touri kann man bedenkenlos mit den zahlreichen Minibussen (Dolmuş) durch die Straßen Istanbuls fahren, die einem im Grunde überall begegnen und auch mitten auf der Straße für einen anhalten, hält man nur die Hand in die Luft. Das ist doch mal Service. Zimperlich sollte man allerdings nicht sein, denn diese Dolmuş sind klein und bis zum Platzen überfüllt. (Eine Übersetzung von „Dolmuş“ heisst immerhin auch „Soll voll sein“… die Übersetzung passt definitiv!) Ich will ehrlich sein, Ich bin lieber Taxi gefahren, denn mit knappen 2m Körpermaß wäre mir das dann doch ein bisschen zu eng geworden. Wer allerdings nicht aufpasst – so sagte man mir – kann schon mal auf eine unfreiwillige Taxi-Besichtigungstour durch Istanbul gefahren werden. Man sollte idealerweise also einen Türken dabei haben, der für einen mit dem Fahrer alles abklärt. Gutes Schuhwerk ist auch wichtig. Istanbul ist hügelig, seeehr hügelig. Und da sich so viele Sehenswürdigkeiten aneinander reihen, ist man gerne schon mal ein paar Stunden auf den teils sehr steilen Straßen unterwegs. Aber egal wie weh die Füße am Ende eines Tages tun, es lohnt sich in jedem Fall. Zwischen den zahlreichen Basaren findet sich immer wieder die Möglichkeit sich zu setzen und einen heißen Tee zu trinken. Verhungern kann man in Istanbul auch nicht, denn an jeder Ecke und in jeder Gasse gibt es unzählige Stände, von frischen, knackigem Simit (die wirklich wesentlich leckerer sind als in Deutschland), über den obligatorischen Döner und Lahmacun, über Turşu (Eingelegtes), Mısır (Mais), diverse Börek (sehr lecker!), Kestane (Kastanien) und natürlich unzählige leckere Süßspeisen. Ich habe mir erlaubt, vom ägyptischen Basar mehr als 1kg verschiedene Lokum für den abendlichen Verzehr in Deutschland einzukaufen. Für das leibliche Wohl ist auf jeden Fall gesorgt.

 

Ein besonderer Abend für mich war der Besuch eines Fischrestaurants im Viertel Kumkapı. Um einen Brunnen im Zentrum des kleinen Bezirks gehen sternförmig kleine Gassen ab, an welche sich ein Fischrestaurant an das nächste reiht. Wir saßen zentral in der Mitte, es wurde langsam dunkel, die Gassen füllten sich mit Menschen. Wir bestellten warme und kalte Vorspeisen (Meze), aßen typisch türkischen Fisch (Ich hatte Levrek, einen im Ägäis gefangenen Seebarsch), tranken Rakı und beobachteten das Geschehen um uns herum. Alleine die reichhaltigen Vorspeisen waren schon ein Hingucker. Es gab eine Creme aus fein geriebenen Möhren, Joghurt und Knoblauch (Havuç Ezmesi), eine scharfe Gemüse-Salsa (Antep Ezmesi), Aubeginenpaste (Patlican Ezmesi), im Tontopf mit Butter und Knoblauch gebackene Scampi und mehr. Einfach lecker. Für besondere Stimmung und Unterhaltung ist dort auch gesorgt. Je später der Abend und je mehr Rakı fließt, je mehr Musikanten strömen in die Restaurants und die Stimmung steigt merklich. Wir hatten das Glück eine besonders gut gelaunte Gruppe von Musikern direkt am Tisch neben uns erleben zu dürfen. Ein Abend dort ist auf jeden Fall Pflicht für einen Istanbul Reisenden.

Rückblickend muss ich sagen, dieser Kurzurlaub war zwar anstrengend und das Wetter war leider nicht immer das Beste, aber ich habe noch nie so viele Sehenswürdigkeiten und Eindrücke in so kurzer Zeit gesehen und erlebt. Wer das Fotografieren mag, wer sich für Kultur und Sehenswürdigkeiten interessiert, wer es liebt sich ins Getümmel zu werfen und auch einzukaufen, für den ist Istanbul auf jeden Fall ein Ort, den er/sie gesehen und erlebt haben muss. Die Eindrücke dieser Stadt wird man so schnell nicht mehr los. Ich, bzw. wir, waren auf jeden Fall nicht das letzte mal dort, denn es gibt noch so viel zu erkunden, das reicht noch für Jahre. Istanbul ist Chaos, Leben und Leidenschaft pur.

In diesem Sinne, Selam & bis bald
David

 

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